My postpartum journey – mein Weg zur ersten Mitteldistanz als Mama

7 Monate ist der kleine Mann nun schon alt und die Triathlonsaison 2018 ist Geschichte- Zeit für ein Résumé des vergangenen halben Jahres. Vielleicht hilft es ja einigen frisch gebackenen Mamas, Erfahrungen für den Wiedereinstieg in den (ambitionierten) Sport zu lesen.

Meine Geburt war keine einfache und endete im Kaiserschnitt, sodass ich mir zunächst überhaupt nichts für dieses Jahr vorgenommen hatte. Ziel war einfach, bald wieder fit zu werden, dabei aber meinem Körper genug Zeit zu lassen.

Ich bin gewohnt täglich zu trainieren, oft auch zweimal. Ich weiß nicht, wann das in meinem Leben das letzte mal passierte, aber tatsächlich tat ich 5 Wochen NICHTS. Die erste Woche verbrachte ich fast nur im Liegen, denn ich hatte aufgrund der OP wahnsinnige Schmerzen. In der zweiten Woche konnte ich zumindest kurz vor die Tür- es ist verrückt, wie schnell man von gefühlt ganz fit zu einem völligem Wrack mutieren kann- ich kam nichtmal bis zur ersten Bank und die steht etwa 300m von uns entfernt. Nach 2 Wochen ging es dann langsam besser, meine Runde konnte ich auf 20 Minuten ausdehnen. So langsam fühlte ich mich wieder wie ein Mensch 😉 aber ehrlich- viel ging zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Tag für Tag verging, meine Runden wurden länger, und nach 4 Wochen war ich in der Lage einmal um meinen geliebten See zu spazieren (6km). Und die Sehnsucht nach Sport flammte immer mehr auf… nach gut 5 Wochen war es dann so weit: eine erste Mini-Einheit auf der Rolle. 30min, Watt zweistellig, total k.o. aber glücklich :-). Eine weitere Woche später ging ich das erste mal ins Wasser. Wahnsinn, wie man plötzlich gleitet ohne die riesen Kugel :-D. Wichtig ist es, den Wochenfluss komplett abzuwarten, bevor man wieder ins Wasser geht, da sonst ein Infektionsrisiko besteht. Dieser war bei mir schon eher vorbei, aber da ich auf Nummer sicher gehen wollte, schienen mir 6 Wochen realistisch.

Und jetzt zum laufen… DAS Thema schlechthin, denn immer wieder hört man, wie wichtig die Rückbildung ist. Ginge es nach vielen (und auch nach meiner) Hebamme, sollte man damit tatsächlich ein halbes Jahr warten. Natürlich sind diese Empfehlungen komplett individuell und jeder muss genau in sich reinhören. Ich hatte von Anfang an keine Probleme mit dem Beckenboden, weder in der Schwangerschaft, noch danach. Vielleicht auch durch den Kaiserschnitt- auf jeden Fall merkte ich bei meinem ersten Lauf, den ich 7 Wochen nach der Geburt probierte, davon nichts. Allerdings spürte ich sehr deutlich, wie weich die Bänder zu diesem Zeitpunkt noch waren und dementsprechend die Instabilität des gesamten Bewegungsapparats. Daher pausierte ich noch eine weitere Woche und während ich im Radfahren und schwimmen schon wieder echt „fit“ war, stieg ich erst nach 9 Wochen in ein richtiges Lauftraining ein und das auch sehr vorsichtig. Mir wurde auch nach meinem Wiedereinstieg immer wieder gesagt, dass ich irgendwann Beckenbodenprobleme bekomme. Ich kann jetzt natürlich nicht wissen, ob das stimmt. Es ist mein persönliches Risiko und ich bin es eingegangen, denn ich habe schon häufig die Erfahrung gemacht, dass generelle Empfehlungen sich eher an wenig bis normal sportliche Frauen richten und für Sportlerinnen mit Umfängen wie ich sie beispielsweise mache nicht gelten. Aber all diese Dinge muss jeder für sich entscheiden und wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einfach noch länger warten.

Die folgenden Monate ging es schnell bergauf- grad beim schwimmen dauerte es keine 3 Monate bis ich mich wieder auf dem alten Stand fühlte. Glücklicherweise passte mein Mann abends auf den Kleinen auf, sodass ich es 2-3 mal wöchentlich ins Schwimmbad schaffte. Auch beim Radfahren lief es echt gut, so konnte ich unter anderem bei Rad am Ring (mein Highlight diese Saison) ein für mich wirklich gutes Ergebnis erzielen und auch bei den ersten Triathlons im Mai und im Juni war ich schon wieder überraschend fit. Natürlich noch deutlich entfernt von früher- aber das war jetzt überhaupt nicht wichtig.

Wir laufen jetzt zu dritt

Schon vor der Geburt hatte ich die Idee, dass ich, wenn alles optimal läuft, ja eventuell in Köln bei der Mitteldistanz des Cologne Triathlon Weekends an den Start gehen könnte. Dort war ich bereits zweimal und das Rennen zählt zu meinen liebsten. Bewusst meldete ich mich nicht an, denn für mich war es völlig unberechenbar, ob und wie ein Training nach Geburt möglich ist. Da aber alles echt gut lief und ich im Juli/August auch meine 10 Stunden pro Woche trainieren konnte, entschied ich mich Anfang August für den Start in Köln. Übrigens erreichte ich genau eine Woche vor dem Rennen mein Ausgangsgewicht- in der Schwangerschaft hatte ich rund 17kg zugenommen, die ich so nach und nach nun verloren hatte (ich stille immer noch voll, mein Sohn ist ein Brei-Verweigerer ;-)). Im Nachhinein erscheint mir das so wahnsinnig lang, ich lese immer wieder von Frauen, die schon kurz nach der Geburt wieder ihr Ausgangsgewicht erreichen. Meine Abnahme begann erst 2 Monate nach der Geburt und ging dann langsam aber stetig mit etwa 2kg pro Monat. Eventuell ein kleiner Mutmacher für diejenigen, wo es auch etwas dauert… 😉

Zum Rennen selbst: Es war besonders. Von Anfang an. Ich war befreit von Zielzeiten, das fühlte sich gut an. Das Schwimmen lief perfekt, meine zweitschnellste Zeit jemals auf einer Mitteldistanz. Das Radfahren begann auch gut, aber nach 50km war die Luft raus. Ich hatte schlichtweg zu wenig gegessen und getrunken, mein Energiebedarf ist durch das Stillen scheinbar deutlich höher und meine langen Einheiten vorher hielten sich in Grenzen, sodass mir das im Vorfeld nicht so klar war. Die Radstrecke hatte 97km und die letzten 15 taten echt weh. Den Halbmarathon wollte ich dann nur noch solide nach Hause bringen und das ist mir gelungen. Ein großer Einbruch blieb mir dort dank ausreichend Gels erspart und ich konnte den Zieleinlauf richtig genießen.

Der kleine Mann hat den Großteil verschlafen, aber wer kann es ihm verübeln bei so vielen Stunden Wettkampf 😀

Mein Fazit dazu: Ich habe gelitten, ich habe gefeiert, ich habe Fehler gemacht (Verpflegung). Ob ich das so nochmal machen würde? Ich weiß nicht. Kurzdistanz hätte vielleicht gereicht 😉 Aber so konnte ich meine erste Triathlonsaison als Mama auf eine ganz besondere Art beenden. Vielen Dank an meinen tollen Mann, der mir das ermöglicht hat <3.

Im Ziel nach meinem ersten Wettkampf als Mama

Die Milch schmeckt auch nach harten Wettkämpfen – der Mythos scheint widerlegt 😉

Meine erste Mitteldistanz als Mama- einfach glücklich!

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