Namibia

Jetzt mögen manche denken: “Schlag den Joey? Was hat das mit Triathlon zu tun?! “ Joey Kelly hat zwar schon einige Triathlons gemacht, aber das ist schon ein paar Jahre her…

Wie es dazu kam

Falls jemand Joey Kelly nicht kennt: ein “verrückter” Ire, früher Mitglied der Kelly Family. Während der noch aktiven Zeit der Kelly Family hat er mit Sport angefangen und diverse Ironman und Ultraläufe hinter sich gebracht. Mittlerweile ist er eher bekannt für alle möglichen sportlichen Aktionen bei diversen Raab-Events, bei dem RTL Spendenmarathon oder zusammen mit Stern TV.
Stern TV begleitet ihn regelmäßig bei Aktionen wie zum Beispiel dem Lauf quer durch Deutschland ohne Nahrung oder aber einmal quer durch die USA ohne Geld. Scheinbar war Joey alleine irgendwann zu langweilig und Stern TV hat 5 verrückte Zuschauer gesucht, die sich mit ihm messen möchten. Den besagten Aufruf hat Kathrin während unserer Hochzeitsreise gesehen und meinte sofort, ich sollte da doch mal mitmachen… Also schnell ein kurzes Video gedreht und hingeschickt. Kaum war ich zurück in Deutschland kam auch schon ein Anruf von einem Mitarbeiter von Stern TV, dass ich in der engeren Auswahl bin und zu einem Auswahl Wochenende eingeladen werde. Das Wochenende hab ich gut überstanden und somit ging es auf große Reise nach „irgendwo“…

Die Challenge

Also ging es dann Anfang Dezember los. Als Treffpunkt wurde nur der Frankfurter Flughafen genannt. Nach einer Begrüßung, wurde uns dann auch verraten, dass es nach Namibia geht. Also direkt einchecken, durch die Sicherheitskontrolle und ab in den Flieger. Am nächsten Morgen nach der Landung ging es dann erst mal in Windhoek ins Gästehaus und wir hatten den ganzen Tag noch zur freien Verfügung um uns etwas zu akklimatisieren (vom kalten Winter in Deutschland in den Hochsommer in Namibia bei 35°C und auf 1700m über dem Meeresspiegel).
Am nächsten Tag haben wir dann nach dem Frühstück ein kurzes Einweisung bekommen was uns erwartet: Ein Wüstenlauf in Richtung Küste mit mehr als 300km. Details gab es wie gewohnt natürlich keine… Danach gab es Ausrüstung und wir durften unsere Rucksäcke für die nächsten Tage packen.
Was die Fußbekleidung angeht, wurde uns stark zu Trail-Schuhen geraten. Meine Trail-Schuhe habe ich leider erst kurz vor der Reise gekauft und nur ca. 20km eingelaufen. Da mir das dann nicht ganz geheuer war, hab ich auch meine gut eingelaufenen Straßenlaufschuhe dem Team mitgegeben. Das war dann auch das einzige was vom Team transportiert wurde und nicht durch uns selbst…
Im Anschluss daran ging es ab in die Steinwüste. Etwas außerhalb von Windhoek auf ca. 2000 m über dem Meer wurde eine Startlinie auf den Boden gemalt, alle haben nochmal die Trinkflaschen aufgefüllt und es ging los.
Angekündigt war für den ersten Tag 2-3 Stunden ganz gemütlich und dann suchen wir ein Nachtlager. Aus den 2-3 Stunden wurde dann 2 Uhr Nachts und somit ca. 8 Stunden inklusive einiger Pausen und 50km Strecke, die wir teils laufend teils schnell marschierend im Schein unserer Stirnlampen entlang der „Straße“ (grobe Schotterpiste) zurückgelegt haben. Währenddessen gab es 2 Energieriegel als Verpflegung und Abendessen. Als wir dann endlich in den Zelten lagen sind wir auch alle recht schnell eingeschlafen.
Zum Sonnenaufgang ging es dann wieder los und zum Frühstück gab es wieder zwei schmackhafte Energieriegel.
Auch auf 2000m brennt die Sonne ganz schön vom Himmel und es wurde heißer und heißer und die Luft war auch gefühlt recht dünn. Irgendwann zur Mittagszeit ist Birgit, einer Mitstreiterin, schwarz vor Augen geworden. An der nächsten Verpflegungsstelle (die wurden uns alle 5-8km vom Team aufgebaut), wurde sie dann nach Rücksprache mit der mitgereisten Sanitäterin aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen genommen. Die Gesundheit geht schließlich bei allem vor.

Danach war dann erst mal eine ausgiebige Mittagspause angesagt. Das bedeutete 3-4h Im Schatten unterm Baum liegen und versuchen, sich etwas auszuruhen. Ist natürlich relativ ungemütlich und die aufblasbare Isomatte ist bei viel Dornengestrüpp auch nicht die beste Variante. Joey konnte aber irgendwie recht schnell schlafen und Kraft tanken. Unsereins hat nur gedöst und ist mit der Sonne um den Baum herum gewandert. An einer der nächsten Verpflegungsstellen habe ich mitbekommen, dass noch ca. 14km bergab für den Rest des Tages geplant sind… Zum Schluss sollte es den Gamsbergpass runtergehen, von dem aus man wohl einen super Ausblick hat, und das Camp war dann in einem ausgetrockneten Flussbett geplant. 14km würde bedeuten, dass es ein Marathon wird.
Also liefen / marschierten wir weiter und irgendwann wurde es dunkel, die Stirnlampen wurden rausgeholt, und ab dem Einbruch der Dämmerung musste man wieder aufpassen, dass man nicht auf einen Skorpion tritt. Als wir dann wieder an einer Verpflegungsstelle waren, waren seit der „Ansage“: „Noch 14km.“ gefühlt schon 20 vergangen. Wir waren müde, hatten Hunger und mir persönlich taten meine Blasen schon recht weh.
Diesmal gab es auf die Frage, wie weit es denn noch ist, tatsächlich eine Antwort: „Noch gute 5 km.” Gut. Also nochmal eine knappe Stunde, aber dann ist’s ja auch geschafft.
Das marschieren in der absoluten Dunkelheit und nur das sehen zu können, was im Lichtkegel der Stirnlampe war, trug bei mir auch nicht zur Stimmung bei. Zusätzlich konnte man noch die Rücklichter eines der Teamfahrzeuge bei der nächsten Verpflegungsstelle in 5km Entfernung sehen, und sich wundern, wie langsam man eigentlich näher kommt. Dafür war ein absolutes Highlight der Sternenhimmel. Nirgends sonst habe ich so viele Sterne so klar sehen können. Die Milchstraße konnte man auch mit bloßem Auge erkennen.
Als wir dann nach den besagten 5km an der nächsten, für uns aufgebauten, Wasserstelle ankamen (und nicht im Camp), hieß es, dass es leider schlechte Nachrichten für uns gibt. Da das Teilstück vorher nicht richtig abgefahren wurde, stimmen die Kilometerangaben nicht wirklich und wir hätten jetzt dann noch in etwa 10km vor uns. Die Begeisterung war nicht allzu groß, aber was soll man schon machen. Es gibt ja keine andere Möglichkeit als einfach weiter zu laufen.
Kurz nach der Verpflegung kamen wir tatsächlich an einen Pass, der in Serpentinen runter ging. Das war dann also das Stück „nur noch bergab“. In der Summe ging es den Tag über zwar schon deutlich runter, aber leider nicht wirklich am Stück. Immer ca. 30 Höhenmeter runter, um dann direkt 20m wieder hoch zu gehen… Von bergab rollen lassen, konnte man also leider nicht wirklich sprechen. Wir marschierten also in recht hohem Tempo den Gamsbergpass runter und für mich als eher kleinen Menschen war das Tempo zum marschieren leider irgendwie zu hoch, so dass ich mich immer wieder ein paar Meter zurückfallen lassen habe, um dann wieder ranzujoggen. Das hat aber gut funktioniert. Von der tollen Aussicht die man haben soll, haben wir leider nichts mitbekommen…
Irgendwann kamen wir dann aber tatsächlich im Camp an, und zu unserer Überraschung gab es sogar frisch gekochte Nudeln mit einer wirklich guten Tomatensauce. Danach ging es dann recht fix ins Zelt und in den Schlafsack. Vorher noch schnell den Dreck grob von den Beinen und den Füßen waschen, und die Füße dann noch gut eincremen, in der Hoffnung, dass über Nacht die dicke Blase unter dem Fußballen von alleine verschwindet.
Beim aufstehen am nächsten Morgen, musste ich dann feststellen, dass leider keine Wunderheilung eingesetzt hatte. Nachdem wir alles zusammengepackt hatten und Frank und ich uns von Claudia, der Sanitäterin, die Blasen versorgt haben lassen, ging es dann mit 1 Energieriegel zum Frühstück weiter.
Wie am Tag zuvor, hatte es sich nach ein paar hundert Metern „eingehumpelt“ und ich konnte, zwar mit Schmerzen, einigermaßen normal gehen/laufen.
Joey hatte natürlich mitbekommen, dass Frank und ich Probleme mit Blasen haben und da er uns beide wohl als starke Konkurrenten für ihn eingestuft hatte, hat er sich die Chance nicht entgehen lassen, und von Anfang an ordentlich Tempo gemacht. Frank hatte allerdings nicht nur Probleme mit den Füssen, ihm machten auch die fehlenden Kohlenhydrate ordentlich zu schaffen, so dass ihm die Spritzigkeit fehlte, und er viele kleine Sprints von Joey nicht mitgehen konnte. Irgendwann war er von den Blasen und den Zwischensprints vermutlich auch psychisch mitgenommen und ist mit einigem Abstand hinter uns her. Ich muss gestehen, ich hatte zu dem Zeitpunkt auch ab und an meine Probleme. Nicht wegen den Kohlenhydraten, sondern wegen meinem ständigen Begleiter, der dicken Blase unter dem Fuß. Allerdings konnte ich mich noch immer wieder ran kämpfen.
Das ganze Spielchen ging dann bis in die Mittagshitze hinein. An einer Verpflegungsstelle hatte Frank so einen großen Abstand, dass Joey ihn letztlich rausgenommen hat. Die Regeln besagen nun mal: Da wo Joey ist, ist vorne, und wer nicht mitkommt, kann jederzeit rausgenommen werden…
Nach der Hitzeschlacht mit ordentlichen Tempowechseln stand dann wieder 4 Stunden Mittagspause im Schatten unter einem Baum an. Erholsam war es jetzt nicht sonderlich, und ich hätte eigentlich lieber weiter gemacht. Dafür dann abends früher schlafen und nicht soviel durch die Dunkelheit. Da Joey aber Hitze nicht gut abkann und die Regeln auch besagen, dass Pause gemacht wird, wenn er es entscheidet, blieb uns nicht viel anderes übrig…
Nach der Pause ging es dann gemütlich weiter, und wir haben endlich die Straße verlassen und sind abgebogen. Nach einiger Zeit kamen wir an einem Aussichtspunkt vorbei und die Übersicht über die Landschaft von dort oben war einfach grandios.
Nach wenigen Kilometern sind wir dann ein weiteres mal abgebogen. Diesmal ging es über ein Farmgrundstück und der Untergrund hat sich nochmal deutlich verschlechtert. Meiner Blase tat das natürlich nicht unbedingt gut. Solang ich meinen Fuß einigermaßen kontrolliert aufsetzen konnte, waren die Schmerzen gut erträglich, mit dem schlechter werdenden Untergrund wurden dann auch die Schmerzen mehr. Die Dämmerung ließ leider auch nicht mehr lange auf sich warten, so dass man nur noch im Lichtkegel der Stirnlampe sehen konnte wo man hintritt. Irgendwann ging es dann immer steiler über immer mehr und mehr Geröll / Felsbrocken hinunter und Joey hat sich scheinbar gedacht, dass er mir auch mal die Grenzen aufzeigen könnte. Jedenfalls wurde dann immer wieder ordentlich Tempo gemacht und ich konnte leider nicht mehr richtig folgen. Das ganze ging über einige Kilometer und immer in Begleitung von einem der Jeeps des Teams. Wobei ich überrascht war, dass die Jeeps, im stockdunkeln, heile heruntergekommen sind.
Ich kam also leider mit etwas Verspätung im Camp an und hatte schon damit gerechnet, rausgenommen zu werden, ich durfte aber erst mal weiter machen. Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, gab es tatsächlich nochmal Nudeln. Diesmal aber nur einen kleinen Teller für jeden und ohne Sauce. Haben trotzdem wunderbar geschmeckt. Das ganze hin und herlaufen im Camp hat mir schon verdammt Schmerzen bereitet und ich hab befürchtet, dass es am nächsten Tag nicht wirklich besser sein wird.
Beim Sonnenaufgang musste ich dann leider feststellen, dass es kein Wunder gab und ich nur unter Schmerzen humpeln konnte. Das nächste Teilstück des Tages war mit 20km durch den Canyon angesagt, mit ähnlichem Untergrund wie am Vorabend. Zudem würde es keinerlei Möglichkeit geben uns rauszuholen, falls etwas passieren würde. Die einzige Möglichkeit wäre dann ein Rettungshubschrauber. Da ich nur unter Schmerzen humpeln konnte, musste ich leider einsehen, dass es sinnlos wäre sich das anzutun und ich das Tempo eh nicht hätte mitgehen könnte. Ich habe dann das erste Mal in meinem Leben einen Wettkampf aufgeben müssen… Aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es keinen Sinn macht. Das ärgerliche war, dass ich mich von der Anstrengung her noch relativ fit gefühlt habe, und mir nur die dicke Blase unter dem Fuß einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Die Zeit danach

Unmittelbar nach meinem Ausstieg habe ich dann erst mal das umfangreiche Frühstück und frischen Kaffee des Teams genossen, während Andreas, Falko und Joey ihre Zelte gepackt haben. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen Andreas von dem leckeren Kaffee vorzuschwärmen, den wir beide so vermisst haben… 😉 Den ganzen nächsten Tag konnte ich noch mit dem Team zusammen verbringen und so auch einmal die andere Seite miterleben.
Am darauffolgenden Tag wurde ich zum Zielort nach Swakopmund gefahren, wo ich dann auf Birgit und Frank traf.
Auch wenn ich nicht solange durchgehalten habe, wie ich es gerne gemacht hätte, ist es einfach eine tolle Erfahrung gewesen, die ich nicht missen möchte. Ich habe das ganze auch nicht als Wettkampf sondern vielmehr als Erlebnis betrachtet. Allein für die ganzen Eindrücke der Landschaft und der Tiere hat sich das die Reise gelohnt. Eine so umfangreiche TV Produktion mal mitzuerleben war auch interessant.
Abschliessend kann ich noch sagen, dass Joey ein sehr sympathischer Mensch ist. Im Wettkampf eine richtige Kampfsau, aber das ist ja nicht verwerflich. Er mag vielleicht nicht der schnellste sein, aber er kann unheimlich beissen und ist richtig zäh. Auf der Reise hab ich viele nette Menschen kennengelernt und auch Freundschaften geschlossen, die vielleicht ja auch länger als nur die 2 Wochen halten.

4 Kommentare

  1. Das hast Du sehr schön zusammengefasst. Für mich war es auch DAS Lauferlebnis mit allem drum und dran. Und wer weiß… das Leben läuft immer weiter. Und wir immer mit.
    Bis bald irgendwo auf der Piste.
    VG Frank

  2. Pingback: Neanderlandsteig – 4 Tage, 240km, 3100hm | triathlon – trail – travel

  3. Pingback: Rückblick auf 2015 und Ausblick 2016 – triathlon – trail – travel

  4. I am so grateful for your article.Thanks Again. Fantastic. Byrne

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