Neanderlandsteig – 4 Tage, 240km, 3100hm

Der Neanderlandsteig ist ein knapp 240km langer Rundwanderweg, der nicht nur durch das schöne Neandertal verläuft, sondern auch im Süden am Rhein entlang und im Norden bis nach Velbert und durch meine alte Heimatstadt Mülheim an der Ruhr verläuft. Seitdem wir regelmäßig am Unterbacher See trainieren, ist mir aufgrund der überall präsenten roten Hinweisschilder der Neanderlandsteig ein Begriff.

Noch während meines Abenteuers in Namibia, reifte in mir die Idee einen mehrtägigen Lauf in Eigenregie zu planen und natürlich auch durchzuführen. Natürlich wäre ein Abenteuer irgendwo auf der Welt auch wunderschön, aber vor der eigenen Haustür ist es oft viel schöner als man es selber ahnt und so ist die Planung viel einfacher und die Durchführen viel günstiger. Irgendwann fiel dann auch mein Entschluß, dass es der Neanderlandsteig werden soll und die Planung wurde konkreter. Es fehlte noch ein Wochenende, dass möglichst nicht zu nah an um Wettkämpfe herum liegt, nicht im Winter ist und an dem es schönes Wetter geben soll. Das Wochenende 9.-12.10. war dafür nahezu ideal – direkt nach dem Urlaub, schönes Wetter und noch nicht zu spät im Jahr, so dass die Tage noch lang genug sind und es nachts hoffentlich nicht zu kalt wird.

Nachdem die grobe Planung stand, ging es ans eingemachte: Wo starte ich? Wo werd ich schlafen und wie werd ich mich versorgen? An dem Wochenende war der Ironman Hawaii, und unser Verein plante einen Hawaii Abend (in direkter Nähe zum Neanderlandsteig), wodurch sich die Planung etwas einfacher gestaltete.

Tag 1: Ratingen Lintorf – Düsseldorf Unterbach

Wie bereits in meinem Vorbericht erwähnt, hatte ich als Start und Zielort Ratingen Lintorf ausgewählt. Das hieß für mich, dass am ersten Tag knapp 50km auf dem Plan standen. Da ich noch arbeiten musste, konnte ich erst zur späten Mittagszeit loslaufen. Abends waren wir bereits wieder zum Essen verabredet, so dass ich mich etwas sputen musste. Nach der Arbeit sammelte ich schnell Amber ein und hab mich auf den Weg nach Lintorf gemacht. Schnell noch ein paar leckere Kekse im Auto deponiert, die ich mir als Belohnung beim „Zieleinlauf“ gönnen wollte, und los ging meine Reise.

Die ersten Meter liefen wirklich gut und langsam fragte ich mich „Was zum Teufel machst du da?!“. Aber jetzt gab es kein zurück mehr und was einmal begonnen wurde wird auch durchgezogen.

An sich verlief der erste Tag ohne besondere Vorkommnisse. Ich hatte die Strecke als Track auf meinem Forerunner, aber sie war zu meinem Erstaunen prima ausgeschildert. Der Plan war, dass ich die geplanten 50 km in guten 5h absolviere, damit wir es noch rechtzeitig zu unserer Verabredung schaffen. Also musste ich was aufs Gas drücken. Am ersten Tag hatte ich nur einen kleinen Trinkrucksack, gefüllt mit einer 1l Trinkblase, 0,75l Trinkflasche, Handy, Kamera und 4 Müsliriegeln dabei. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke bemerkte ich, dass mein Durst größer ist, als mein Trinkvorrat, aber zum Glück wollte Kathrin mir mit dem MTB entgegen kommen, so dass ich da auch etwas bekommen könnte. Als ich sie endlich traf, nahm ich mir einen großen Schluck aus ihrer Flasche und weiter ging es. Neu motiviert durch die Begleitung lief es viel flüssiger als vorher und ich kam gut vorran.

Alles in allem war der erste Tag schön und bisher lief alles nach Plan. Schnell ging es dann in die Stadt zum ausgiebigen Abendessen.

Tag 2: Düsseldorf Unterbach – Monheim – Langenfeld – Hilden

Der 2. Tag startete mit etwas Verspätung. Der ursprüngliche Plan sah eigentlich einen Start gegen 9:00 Uhr vor. Da ich aber noch recht müde vom Vortag und auch Abend war, gab es erstmal ein ausgiebiges Frühstück und ich bin erst um 10:30 aufgebrochen.

Die ersten Kilometer führten mich über meine Hauslaufrunde und über Umwege bis zum Elbsee. Bis dahin lief es bei mir (und auch bei Amber) eher schleppend. Die Belastung vom Vortag spürte man doch ganz schön und das ausgiebige Frühstück hat auch etwas zu der Trägheit beigetragen. Als ich am Elbsee ankam, war ich so langsam wach und motiviert. Passend dazu sah ich im Wald das erste Reh während der Tour und es sollte nicht das letzte bleiben.

Von da an lief es wieder flüssiger und weiter ging es über ein paar Umwege bis nach Hellerhof. An einer Tankstelle habe ich nochmal ordentlich Getränke nachgetankt. Es gab zwar noch zwei weitere Möglichkeiten auf der Tagesetappe, aber die wären erstens mit jeweils zwei bis drei Kilometern Umweg verbunden gewesen und so wollte ich das möglichst vermeiden. Das hieß zwar, dass der Rucksack umso schwerer war, aber dafür musste ich mir erstmal keine Gedanken mehr zur Verpflegung machen.

An der Tankstelle traf ich die ganze MTB Truppe von unserem Verein, die heute unterwegs waren und mir auch einmal noch viel Spaß wünschen wollten. Das gab mir auch nochmal einen kleinen Auftrieb und hob meine Laune ein wenig an.

Danach ging es weiter gen Süden. Erst direkt an den Rhein, der zwar für einen schönen Ausblick, aber auch für ein frisches Lüftchen sorgte, und später dann an Monnem am Rhing  (auf Deutsch: Monheim am Rhein ;)) vorbei. Nach einer kurzen Pause musste ich mich wieder vom Rhein verabschieden und es ging in Richtung Reusrath. Bis hierhin war der Neanderlandsteig vorbildlich ausgeschildert. Was nun folgte, waren leider einige Kilometer die durchaus verbesserungswürdig sind… Erstmal folgte der Neanderlandsteig nicht meiner auf dem Forerunner gespeicherten Route (da hab ich bei der Planung wohl ein wenig geschlampt), aber da es bis dahin gut ausgeschildert war, dachte ich, dass das kein Problem sein wird. Irgendwann wurden die kleinen roten Hinweisschilder aber auch immer weniger, bis es dann letztlich ein paar Kilometer ohne jegliche Ausschilderung gab. Mit meinem Smartphone und der Neanderlandsteig App bewaffnet konnte ich den Weg dann doch finden, aber besonders im dichten Wald war das nicht immer so einfach. Ausserdem lässt es sich mit Smartphone in der Hand auch nicht allzu flüssig laufen. Ich hoffe es waren nicht allzuviele Spaziergänger im Wald unterwegs, die mein Fluchen ertragen mussten. 😉

Irgendwo in der Ecke gab es auch noch einen knappen Kilometer Sumpfgebiet. Wenn man nicht aufpasste wo man hintritt versank man mit den Schuhen in richtig schöner tiefer Matsche. Bei Wettkämpfen wie Tough Mudder oder Strongmanrun mag sowas ja Spaß machen, aber zu dem Zeitpunkt hätte ich mir durchaus schöneres vorstellen können…

Nachdem die Beschilderung wieder etwas besser wurde, passte die Strecke auch wieder zu meiner geplanten Route überein und es wurde wieder angenehmener zu laufen. Mit Heike, Kathrins Mutter, hatte ich noch einen Treffpunkt in Solingen Wiescheid an dem Segelflugplatz ausgemacht. Aufgrund meiner Verspätung durch das Umherirren plagte mich bereits mein schlechtes Gewissen, aber ich dachte, jetzt geht es ja flott weiter. Irgendwie hatte ich die Sandhügel, die mir dann bevorstanden, nicht wirklich auf dem Plan. Das laufen wurde natürlich wieder etwas schwerfälliger, da es viel hoch und runter ging und der Untergrund auch nicht der beste war. Ich hätte vielleicht die Streckenbeschreibungen mal etwas genauer lesen sollen 🙂

Schliesslich bin ich mit circa einer Stunde Verspätung bei einer komplett durchgefrorenen Heike angekommen, die mich ganz toll anfeuerte und mich mit noch ein wenig Getränken versorgte. Als ich wieder loslief dachte ich, dass es eigentlich nur noch circa 3km sein können. Da hatte ich aber noch nicht genau in die Karte geschaut. Und eigentlich hätte mir schon klar sein müssen, dass der Neanderlandsteig nie auf einem direkten Weg zum Ziel führt, sondern gefühlt jede Schleife (z.B. in Form von Umrundungen von Kuhweiden, kleinen oder großen Teichen oder einfach nur Zick-Zack laufen durch den Wald) mitnimmt. Es wurde immer dunkler und frischer und ich hatte leider keine Stirnlampe mit. Auf der einen Seite hatte ich damit gerechnet, dass ich etwas flotter vorwärts komme und andererseits wollte ich ursprünglich mehr als eine Stunde früher aufbrechen.

Der Ironman Hawaii war mittlerweile angebrochen und ich wurde per Smartphone von Kathrin auf dem laufenden gehalten. Als ich im stockdunkeln an einer Hauptstraße ankam, beschloss ich ein wenig zu mogeln und entlang der Straße den direkten Weg zum HAT-Fit zur Hawaii Party zulaufen. Die fehlenden 3km im dunkeln durch den Wald ohne Stirnlampe wollte ich allein aus Sicherheitsgründen schon nicht laufen. Die Stolpergefahr war einfach zu groß (hatte ich bis dahin auch schon im hellen ein paar mal zu spüren bekommen). Das Stück wird demnächst aber noch nachgeholt 🙂

Als ich im HAT-Fit ankam gab es erstmal einen Begrüßungssekt, gefolgt von leckerem Abendessen, nichtalkoholischen Getränken und Gesellschaft von netten Leuten. Viele wollten wissen wie es mir bisher so ergangen ist. Der Abend wurde lang und die Nacht kurz… Dafür konnte ich noch die Ironman WM zu Ende schauen und habe mitbekommen wie Frodeno gewinnen konnte 🙂

Tag 3: Hilden – Haan – Düssel – Neviges

Am nächsten Morgen ging es ziemlich müde wieder los. Mein ursprünglicher Plan sah vor, dass ich spätestens um 9:00 Uhr loslaufe… Wobei ich eingentlich schon hätte wissen können, dass die Nacht sehr kurz wird. So bevorzugte ich dann doch etwas mehr schlaf und ein ausgiebiges Frühstück mit Kathrin. Danach ging es zusammen mit Kathrin und Amber mit dem Auto los zum Waldbad in Hilden.

Hier sollte also nun meine lange Etappe, die sich auf zwei Tage aufteilt, starten. Kathrin begleitete mich mit Amber die ersten 7km, die im Zick-Zack durch den Hildener Stadtwald gingen und legte ein ordentliches Tempo vor. Nach 115km in 2 Tagen hatte ich da schon meine Probleme zu folgen. Zudem war mein Rucksack auch noch etwas angewachsen und schwerer geworden. Ich hatte schon warme Sachen und etwas mehr zu essen und zu trinken (jetzt eine 3l Trinkblase plus 0,75l Trinkflasche) dabei. Kathrin, die leichten Fußes und ohne Rucksack unterwegs war musste so mehrfach auf mich warten. Auch wenn mein persönlicher Sklaventreiber mich angetrieben hat, war es schön mal ein paar Kilometer lang Begleitung zu haben. Und dann auch noch eine so sympathische 🙂

Nach 7km trennten sich unsere Wege. An dem Tag war ich allein unterwegs. Amber hatte sich nach zwei Tagen in Folge einen Ruhetag verdient. Ich vermutlich auch, aber man muss ja nicht alles mitmachen 🙂 Nachdem ich allein unterwegs war, packte ich meinen Rucksack erstmal etwas um, da das ständige Gewackel mir ganz schön auf die Nerven ging. Nach einer kurzen Pause mit verschiedenen Optimierungen (und einer kleinen Reparatur am Brustgurt des Rucksacks) ging es dann weiter. Schon erstaunlich, wieviel so ein eng gepackter Rucksack ausmacht. Es lief erstaunlich gut und ich kam flott vorwärts. Ungefähr nach 20km machte ich meine erste richtige Pause und versorgte mich bei einer Tankstelle mit Getränken. Wieder in der Hoffnung, dass ich den Rest des Tages nichts neues mehr brauche. Dadurch wurde der Rucksack natürlich wieder schwerer und das laufen schwerfälliger, aber dafür standen keine Versorgungspausen mehr auf dem Plan. Nachdem der 2. Tag eher flach war, wurde es heute hügeliger und somit auch etwas schwerfälliger zu laufen. Im Gegensatz zu den Sandhügeln am Tag zuvor war das aber diesmal keine Überraschung und ich kam wie geplant vorran. Sobald eine Steigung kam, bin ich vom laufen in das schnelle Gehen gewechselt um etwas Kraft zu sparen. Unterwegs traf ich auch auf einen „alten Bekannten“ den Klingenpfad… Hier muss ich also schonmal gewesen sein. Auch wenn ich mich nicht erinnern konnte. Es ging vorbei an Grube 7, ein ehemaliger Kalksteinbruch an der Stadtgrenze zu Wuppertal. Besonders bei dem schönen Sonnenschein ein schöner renaturierter Bereich. Das haben sich wohl auch noch andere gedacht. Jedenfalls war ich nicht alleine. Überhaupt waren an dem Sonntag sehr sehr viele Spaziergänger und Jogger unterwegs die den vermutlich letzten sonnigen Sonntag nutzen wollten.

Irgendwo in einem Waldstück ist dann das passiert, was natürlich passieren musste. Ich bin an einer Wurzel hängen geblieben und umgeknickt. Zunächst merkte ich davon nicht viel, aber im weiteren Verlauf hat immer wieder mal bei bergab Stücken mein rechter Knöchel rumgezickt…

Die Nacht

Meine Planung sah vor, dass ich irgendwo zwischen Neviges und Nierenhof (bei ca km 60) mir ein Nachtlager suche. Kathrin und Henning (unser Abteilungsleiter vom Triathlonverein) hatten angekündigt, dass sie mich dann besuchen kommen um mich mit Abendessen zu versorgen. Auf der Karte hatte ich dann ein kleines Waldstück irgendwo hinter Neviges ausgewählt. Nah an einer Straße, so dass mein abendlicher Besuch auch gut zu mir findet. Das Waldstück selber erwies sich leider als wenig geeignet, da alles sehr steil und hügelig war, aber direkt an der Straße gab es ein relativ flaches Stück auf dem ein abgedeckter Heuballenstapel war. Dieser bot sich perfekt an. Einfach mit 2 schweren Steinen die Plane etwas wegspannen und schon war das „Zelt“ fertig. Kathrin und Henning kamen schließlich mit einem riesen Döner, Kuchen, meinem Schlafsack und genügend zu trinken vorbei. Nachdem alles aufgegessen war und ich mich mit einem alkoholfreiem Weizen eingesaut hatte, fuhren die beiden wieder und ich war nun also allein.  Ich baute mir ein kleines Bett aus Heu (danke Frank für den eigentlich naheliegenden Tip…), kuschelte mich in den Schlafsack und fror… Trotz Plane, die vor dem Wind schützt und etwas Abwärme aufhalten sollte und meinem dicken Schlafsack war mir wirklich kalt. Ich zog den Schlafsack bis über meinen Kopf, so dass ich komplett verschwand. Das ganze hat zwar die Luftzufuhr etwas begrenzt, aber es wurde zumindest etwas wärmer. Irgendwann waren auch meine Füße wieder aufgetaut und die Nachtruhe konnte eigentlich beginnen. Wenn der Schlafplatz nicht doch leicht abschüssig gewesen und die Kombination aus Heu und der Funktionsoberfläche des Schlafsacks so rutschig gewesen wäre. Sobald ich mich rumdrehte (was häufig vorkam, da mir entweder kalt war, oder es recht ungemütlich wurde oder aber einfach beides…) machte der Schlafsack mit mir zusammen einen Rutsch und lag am Ende des „Zelts“ auf dem harten kalten Boden. Nach circa 2 Stunden hatte ich kurz überlegt, ob ich nicht einfach aufstehen soll und im dunkeln weiter marschiere. Dann wäre es zumindest nicht so kalt und viel weniger Schlaf würde ich auch nicht bekommen. Nachdem ich dann einmal kurz für ein kleines Geschäft das „Zelt“ verlassen hatte, flüchtete ich mich aber ganz schnell wieder in den Schlafsack und beschloss, bis zum Sonnenaufgang zu warten. Man war das kalt…

Tag 4: Nierenhof – Velbert – Heiligenhaus – Kettwig – Mülheim an der Ruhr – Ratingen

Die Nacht ging genauso weiter wie sie angefangen hatte… Unherholsam, ungemütlich und kalt. Aber was macht man nicht alles freiwillig 🙂 Um 7:30 wurde es solangsam hell und ich packte ganz schnell meine Sachen zusammen, zog mich so warm wie ich nur konnte an und marschierte los. Mein Smartphone sagte mir, dass es nur 1 Grad Celsius sind… Genauso fühlte es sich auch an. Aber das frühe aufstehen in der Kälte wurde belohnt. Es gab einen wunderschönen Sonnenaufgang und alle Wiesen und Felder und Waldwege waren von Raureif bedeckt. Ein grandioser Anblick. Nachdem ich einige Fotopausen machte, ging es dann weiter bis nach Nierenhof. Ich wusste schon, dass der 4. Tag mit den hügeligsten 30km der ganzen Tour beginnen wird. Sicherlich nicht die beste Planung und auch psychisch nicht ganz einfach, wenn man müde ist, friert und schon 170km in 3 Tagen in den Beinen hat. Der Rucksack, in dem jetzt auch noch der Schlafsack war, wurde gefühlt auch immer schwerer… Sven, ein Vereinskollege, hatte mir am Samstag Abend angeboten, mich die letzten 10-15 km zu begleiten. Während einer bergauf Passage bekam ich einen Anruf von ihm, wie es mir denn gehen würde und ob er mir nicht etwas Gepäck abenehmen könnte, da er eh gerade in der Gegend ist. Die Chance ließ ich mir nicht entgehen und ein Treffpunkt in Nierenhof war schnell ausgemacht. Wie beflügelt lief ich die nächsten 4km. Ich war schon vor ihm da und wärmte mich erstmal mit einem heissen Kaffee und einem frischen Brötchen auf. Als er dann ankam war ich wirklich glücklich. Einerseits darüber, dass ich meinen Rucksack erleichtern konnte, andererseits auch, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Die Vorfreude, dass er mich am späten Nachmittag auch noch begleiten würde, hat meine Stimmung auch noch weiterhin gehoben.

Ich packte also alles überflüssige aus dem Rucksack aus, schnürte ihn wieder enger und weiter ging es. Es waren leider erst die ersten 15 der hügeligen 30km erledigt. Ich bin schnell wieder in meinen alten Trott reingekommen: Bergauf gehen, in der Ebene laufen. Bergab konnte ich leider nicht wirklich gut laufen, da es entweder recht steil war und somit nicht sehr angenehm zu laufen, oder es so matschig war, dass man keinen festen Halt hatte. Ausserdem hat sich mein rechter Knöchel vom Vortag wieder gemeldet. Also waren die ersten 30km, ausser an den Stellen wo es flach war (also fast gar nicht) ein reiner Wandertag… Ich kam also sehr schleppend voran, aber das Ziel rückte immer näher.

Zwischendurch machte ich mit Sven einen Treffpunkt aus und zu meiner Freude wollte er mich nicht nur die ursprünglich geplanten 9 km sondern sogar 16 begleiten. Irgendwann kam der Treffpunkt in Kettwig immer näher und da muss es dann passiert sein: ich hab scheinbar den Weg verloren, da ich einfach geradeaus weitergelaufen bin… Für die Navigation nicht dramatisch, da nach einer Schleife der Neanderlandsteig eh wieder auf „meinem“ Weg auskam, aber so hatte ich 2 oder 3 km eingespart. Das bemerkte ich dann aber erst, als ich mich gerade mit Sven getroffen hatte. So war es dann halt. Mein Ziel war ja nicht 100%ig den Neanderlandsteig abzulaufen. Aber ich werde auch das Stück irgendwann nachholen. Nachdem wir uns getroffen haben ging es langsam aber beständig weiter. Einerseits war meine Stimmung durch die Begleitung gleich viel besser und andererseits ging es nicht mehr nur noch hoch und runter, so dass ich auch wieder besser laufen konnte. Die km flogen bei netten Gesprächen nur so dahin und mein Tiefpunkt vom Vormittag war komplett überwunden. Kurz bevor es auf Ratinger Stadtgebiet (und somit dem Auto immer näher) ging, streiften wir noch meine schöne Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. 🙂

Circa 2km vor Ende waren leider die Akkus meines Forerunners leer, so dass ich den Lauf nicht komplett aufzeichnen konnte, aber auf die kurze Strecke kommt es ja auch nicht mehr drauf an. Einen knappen km vor dem Ziel gab es dann noch ein Hindernis. Die Brücke über einen Bach (der wirklich so breit war, dass man nicht ohne weiteres trockenen Fußes rübergekommen wäre) war gesperrt… Wir scherzten schon, dass wir jetzt umdrehen müssten und einmal die ganze Strecke wieder zurück. Letztlich haben wir dann eine kleine Kletterpartie aussen an der Brücke entlang gemacht. Dafür das ich deutlich mehr als 210km in den Beinen und Rucksack auf dem Rücken hatte, klappte das ganz gut und ohne nasse Füße. So langsam setzte auch die Dunkelheit ein und nasse Füße hätten wir jetzt nur ungern bekommen…

Nur wenige hundert Meter weiter kamen wir an die Weggabelung, an der ich auf den Neanderlandsteig gestartet bin und es war vollbracht. 4 Ultramarathons in 4 Tagen.

Ich war erleichtert, glücklich und zufrieden, konnte es aber noch garnicht so richtig fassen, dass ich wirklich in 4 Tagen einmal den ganzen (bis auf 2 kleine Stücke…) Neanderlandsteig gelaufen bin. Jetzt, ein paar Tage später, habe ich es langsam realisiert und ich bin ein paar Tage mit einem Dauergrinsen rumgelaufen. Die Beine zwicken immernoch etwas, aber alles andere wäre ja auch merkwürdig. Blasen habe ich mir übrigens keine einzige gelaufen. Das war auch eine Sache, die mich in Namibia dazu bewogen hatte sowas einmal zu machen. Vor Namibia hatte ich nie Probleme mit Blasen an den Füßen und es hatte mich so geärgert, dass ich deswegen aussteigen musste. Jetzt konnte ich zumindest mir selber beweisen, dass meine Füße zumindest 24okm ohne Blasen überstehen können. Es hat mir auch viel Spaß (bis auf wenige Ausnahmen…) gemacht und ich konnte viel von der heimischen Natur sehen. Vielleicht werd ich irgendwann nochmal etwas ähnliches machen… Wer weiss 🙂

Wenn man inoffizielle Wettkämpfe/Trainings (die 3 Tage in Namibia, mein Vorbereitungsmarathon und jetzt die 4 Tage) mitzählt waren das jetzt Marathon/Ultra Nummer 28,29,30 und 31. 🙂

 

4 Kommentare

  1. Hallo Klaus,
    nochmal herzlichen Glückwunsch zum Durchhalten und Finishen Deines Dir selbst gesteckten Zieles. Klasse gelaufen. Ich kann den Grund Deines Abenteuers so gut nachvollziehen. 😉
    Irgendwann gehen wir mal zusammen auf Tour.
    VG Frank

  2. Danke fürs Mitnehmen und meinen Glückwunsch zur Realisierung Deines Läufertraums! Ich hoffe, Du kannst noch mehr davon in die Tat umsetzen und lässt uns dann auch wieder so nett daran teilhaben!
    Alles Gute weiterhin und viel Spaß beim Brückenlauf morgen!

    LG,
    Corinna

  3. Hey klasse! Vielleicht ist ja die neander-rallye etwas für dich. 2016 die 80 Kilometer und in 2017 dann 240 Kilometer Nonstop 😉
    Viele Grüße Tom

    • Hey Tom! Genau die Idee hatte ich auch schonmal. Wenn ich dabei sein darf und nicht irgendwelche anderen Abenteuer noch dazwischen kommen, wäre ich definitiv (gern auch beide Jahre) dabei 🙂

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