Platz 3 beim IRONMAN Vichy- ein perfekter Tag

Nach 3,5 beruflich anstrengenden Wochen kommen wir Donnerstag am späten Nachmittag in Vichy an. Ich war schon ewig nicht mehr zu Hause und komme direkt von einer Konferenz aus England, Klaus hat alles gepackt und holt mich in Paris ab :-* Was würde ich nur ohne ihn tun <3

Wir schauen uns die Strecke an, ich mach noch ein paar lockere Einheiten und den Rest der Zeit verbringe ich mit schlafen, ich bin total müde. Samstag fühle ich mich dann wieder fit und freue mich mega auf das Rennen.

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Das Schwimmen

Die letzten Tage waren verdammt heiß. Schwimmen ohne Neopren- genau mein Ding 🙂 Die vielen Unklarheiten im Voraus, was man nun tragen darf und was nicht, irritierten mich allerdings sehr und so entscheide ich mich, einfach im Einteiler zu starten. Damit kann man nichts verkehrt machen.

Dank Rolling Start verläuft der Start ruhig und unspektakulär. Ich hatte schon vorher gehört, dass die Strecke langsam und tendenziell zu lang ist, also ordne ich mich entsprechend realistisch ein. Mein Sprung ins Wasser sieht wohl eher unelegant aus, aber das schlimmste wäre es ja auch, die Brille zu verlieren…

Das Schwimmen an sich verläuft gut. Wie gewohnt schwimme ich meinen Zick Zack Kurs, überhole aber ständig. Merke fürs nächste Mal: Realistisch einschätzen beim Rolling Start tun sich die wenigsten! Das Wasser war leider nicht wirklich schön. Keinerlei Sichtweite und dauernd der Geruch von Benzin aus den Begleitbooten. Nach der Hälfte dann der Landgang und wieder ein unbeholfener Sprung ins Wasser, aber die Brille sitzt und weiter geht’s.

Nach 3.8km steige ich aus dem Wasser, 1:13, damit bin ich zufrieden, denn in Roth vor 3 Jahren hatte ich die gleiche Zeit mit Neo. Dass ich im Freiwasser nie an meine Leistungen im Becken rankomme, daran hab ich mich gewöhnt. Die Auswertung bei Strava zeigt, dass mein Zickzack dieses mal gar nicht so schlimm war und die Strecke tatsächlich 200m zu lang ist.

Da ich auf jegliche High-Tech Materialien (->Speedsuit) beim Schwimmen verzichtet habe, geht mein Wechsel schnell- Beutel greifen, Schwimmbrille aus, Radschuhe und Helm an, und los.IMG_7235

Das Radfahren

Ich freue mich am meisten auf das Radfahren. Dieses Jahr ist irgendwie mein Radjahr und ich fühle mich durch die Tour Transalp gut vorbereitet. Im Vorfeld des Rennens hab ich Stunden damit zugebracht zu überlegen, ob ich nun den Aero- oder den normalen Helm nehme. Im Gegensatz zu fast allen anderen habe ich mich für den normalen entschieden, zu viel Respekt vor der Hitze der letzten Tage.

Bei km3 passiert bereits, was bei den vielen Schlaglöchern passieren muss, ich verliere meine äußerst sorgfältig zusammengestellte Verpflegung. Mist, aber na gut, ist dem Frodo ja auch schonmal passiert 😉

Ich sehe ein paar Leute mit Pannen am Rand und bete nur, dass mich das nicht erwischt, aber dieses mal habe ich gut vorgesorgt mit Dichtmilch in meinen Schläuchen. Und dann fühlt es sich wie fliegen an. Der Radkurs ist wunderschön. Seichte Hügel, viele Felder, kleine Ortsdurchfahrten, ein Traum. Der Straßenbelag ist eher weniger traumhaft, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet, es rollt einfach. Die erste Runde verfliegt, es gibt nur einen wirklichen Berg, der Rest sind kleinere Wellen, ein schneller Kurs. Mein Tacho sagt 32.6er Schnitt nach Runde 1, ich bin glücklich.

Dann ändert sich leider das Wetter. Ich war auf ein Hitzerennen eingestellt, stattdessen ziehen dichte Wolken auf, es fängt an zu stürmen und schließlich auch zu regnen (ich wünsche mir meinen Aerohelm!). Gut, dass es keine gefährlichen Abfahrten gibt, aber kilometerlang gegen den Wind kämpfen zerrt an den Kräften. Plötzlich merk ich die ganzen Hügel, die ich in Runde 1 gar nicht wahrgenommen hatte und muss traurig mit ansehen, wie mein Schnitt nach unten geht. Immerhin sind es ja auch insgesamt 1200HM, das ist zwar nicht viel, aber auch nicht komplett eben.

Was mir positiv aufgefallen ist, ist dass im Gegensatz zu den großen Rennen wie z.B. in Frankfurt, die Strecke nicht überfüllt ist und somit (bis auf einige Ausnahmen, klar) sehr fair gefahren wird. Es gab kaum Situationen, wo es mal wirklich voll war.

Nach 2 Runden erreiche ich die Wechselzone, mein Plan, unter 7 Stunden auf die Laufstrecke zu gehen, ist aufgegangen und ich freue mich über meine Radzeit (5:32). Dazu muss ich erwähnen, dass die Strecke 3km zu kurz ist 😉

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Das Laufen

Klaus ruft mir vom Streckenrand aus zu, dass ich aktuell gleichauf mit der fünftplatzierten bin und dass die Abstände nach vorne nur wenige Minuten betragen. Ich sehe mein großes Ziel, einen Platz auf dem Treppchen zu schaffen, in erreichbarer Nähe und renne los. Ein paar Kilometer wunder ich mich noch über meine guten Beine heute, dann merke ich, dass ich den Anfängerfehler begangen habe, zu schnell los zu laufen. Also deutlich Tempo rausnehmen. Ich pendel mich bei 5:30 ein, das scheint mir passend. Eben noch der Regen und der Sturm, und nun kommt die Sonne raus und die Temperaturen klettern über 30 Grad. Da hab ich jetzt mein Hitzerennen 😉 Nach der 1. Runde (10.5km) wird es schwer. Generell ist die Laufstrecke nicht ganz so einfach wie gedacht. Es gibt ein Stück über Wiese, über Schotter, und Minianstiege auf die Brücken. Ich fühle mich total erledigt, will nur noch Schatten, mir ist alles egal. Zum Glück sind meine Eltern da und feuern mich an, das hilft. Und dann kommt Klaus und sagt mir, dass ich nun auf dem 3. Platz liege. Aufgeben geht also nicht, das Ziel ist zu nah. Meine Taktik ist nun, an jeder Verpflegungsstelle zu gehen, 2 Becher zu trinken und mir ordentlich viel Wasser über den Kopf zu schütten. Außerdem gibt es Duschen, die ich ausgiebigst nutze, ich bin nach kurzer Zeit klitschnass ;). Ich verliere so zwar ziemlich viel Zeit, alle 2km etwa 20-30 Sekunden, kann dafür aber dazwischen ein ordentliches Tempo laufen.

Nach der 2. Runde geht es mir besser. Scheint Kopfsache zu sein, denn es motiviert mich ungemein, dass es nur noch ein Halbmarathon ist. Ich habe meinen Rhythmus gefunden, gehen, rennen, gehen, rennen, falls man das „rennen“ nennen kann ;-). Ich rechne und freue mich, dass ich es unter 11 Stunden schaffen werde, wenn nichts mehr schief geht.

Zwischendurch, in den schattigen Abschnitten, krieg ich Energieschübe. Dann kommt die Sonne und ich denke, ich kann nicht mehr. Die letzte Runde beginnt. Der Akku ist leer. Ich denke, ich hab den dritten Platz und kann mich etwas ausruhen, aber Klaus sagt mir, die Abstände nach vorn und nach hinten sind jeweils nur eine Minute. Das bedeutet, weiterkämpfen. Ich gebe nochmal Gas und halte die letzten 5km nicht mehr an, getrunken hab ich ohnehin mehr als genug. Ich wunder mich, wie viel am Ende noch geht, aber gut, so ist es irgendwie immer. Ich habe zu viel Angst davor, durch die unübersichtliche Situation durch den Rolling Start jetzt den 3. Platz zu verlieren.

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Zieleinlauf nach einem Marathon in 3:52 und mit einer Gesamtzeit von 10:46, ich habe noch nie so gelitten wie heute, ich fange direkt an zu heulen. Nach Massage und Finisher-Buffet bringt mir Klaus die erlösende Nachricht, dass ich den 3. Platz (F25-29) halten konnte. Ich fange wieder an zu heulen, Erschöpfung, Erleichterung, Glück.IMG_7327

Danke, danke, danke an meinen Mann, meine Familie und meine Freunde, die in der letzten Zeit sicher einiges von meiner Anspannung abbekommen haben. Ich freu mich auf ein paar Partys in den nächsten Wochen (mit Alkohol und ungesundem Essen :-D) und nächstes Jahr geht es dann weiter, Vichy 2017!

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2 Kommentare

  1. Tip top. Tolle Leistung. Glückwunsch und gute Regeneration.

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